KeiNe PaNik

Archive for Juli 2014

Der interessanteste Moment ist Ende und Anfang von irgendetwas. In ihm erkennt man das Wesentliche und wenn man sich ihm bewußt wird und danach greifen kann, ist es der aktivste Zeitpunkt, um zu handeln.

Zum einen ist meine langjährige, meist desolate Beziehung zuende gegangen. Endlich. Enden tat das mit einer ganzen Photoserie auf Facebook zu meinem Geburtstag, auf der sie ihren neuen küßte. Das tat natürlich weh, obwohl ich zu dem Zeitpunkt innerlich schon meilenweit von ihr entfernt war. Ich hatte das Konzept „meine Freundin“ bereits in meinem Inneren überdacht und geändert. Das Konzept ist eigentlich nur eine vorkonzeptionelle Form der Ehe und als solches geradezu magisch anziehend für freudsche Thematiken, an denen schon Generationen von Psychiatern gescheitert sind. Nicht mein Ding. Schon das gesamte erste Halbjahr 2014 arbeitete ich schon an einem neuen Konzept, kurz: meine Freundin. Sprich Lebensfreude und -nähe in einer schon verbal unbegrenzten Form. Trotzdem dann die Bilder auf Facebook. 3 Tage war ich down, aber dann ging es wieder und ich gewann wieder Vertrauen in mein neues Konzept. Das einzige was weh tat, war die Tatsache, dass ihre Tochte meint, ich wäre „wie ein Papi“ für sie. Nach der menschlichen Logik der Emotion müßte ich ihre Mutter hassen, sprich auch sie jetzt völlig alleine lassen. Das war ein Konflikt, den ich nicht so ohne weiteres lösen konnte.

Aber der Zufall half mir. Als ich zufällig in der Nähe ihres Wohnortes war, rief sie zufällig in einer Situation an, in der ich richtig froh war, ihre Stimme zu hören und anstatt der vorher tagelang sorgfältig ausgetüfftelten Beleidigungen (ja so tief ging das) sagte ich nur: Hey, ist alles cool! Wie wärs, wenn ich schon zufällig in der Nähe bin, wenn Du zufällig mal durchrufst, dass ich dann auch mal zufällig vorbei kommen könnte und der Kleinen „Hallo“ sagen kann?

Das klappte dann auch. Obwohl der Neue sich mittlerweile in ihrem Häuschen eingenistet hatte, das machte mir auf der Hinfahrt schon Bauchschmerzen. Ich dachte, ich würde total traurig sein oder total wütend? Aber dann besann ich mich, als ich an der Tür geklingelt hatte, eines Tricks. Habe ich schon am Telefon bei ihr angewandt. Einfach der Satz: „Hey, ist alles cool!“, weil dieser Satz verlangt keine innere Synchronizität. Man kann den immer sagen, ob man lacht oder nicht. Er wirkt aber immer deeskalierend und man kann Grenzen einreißen ohne neue zu errichten.

Also kam ich da mal so eben ganz cool vorbei. Die Kleine freute sich riesig und am Ende gingen wir 4 noch essen. Eigentlich saß der neue Typ da ein wenig traurig dabei. Er tat mir auch Leid, denn er hatte noch nicht einmal der Hauch einer Ahnung, was mit dieser Frau auf ihn zu kommen würde.

Aber das ist nicht das Thema. Ich hab die Gunst des Momentes genutzt um das zu bekommen was ich wollte: kann die Kleine jetzt jederzeit sehen und übernächstes Wochenende auch bei ihrem Geburtstag dabei sein. Ist mir in so fern wichtig, dass ich mich gut 4 Jahre mehr oder weniger gut, je wie mein Beziehungsstatus zu ihrer Mutter war, um sie gekümmert habe. Da sie Halbwaise ist, war ich eben „wie ein Papi“ für sie. Ein wenig wie bei dem Küken, das den jenigen für die Mutter hält, den es nach dem Schlüpfen sieht. 4 Jahre sind 67% ihrer Lebensspanne oder werden es zu ihrem Geburtstag sein. Also da gilt es Kindheitstraumen zu mildern. Außerdem mag ich sie. Sie hat mir so viel gegeben, weil ich ein Mensch gewesen war, der vergaß, wie es war, selber ein Kind gewesen zu sein.

Diesen Zyklus habe ich dann doch glücklich zuende gebracht. Die Ex war auch glücklich. Ich konnte ihr dann auch ohne irgendwelche Eifersuchtsszenen von meinen Romanzen erzählen. Denn der neue Zyklus war sehr viel aufregender als die Lebensperspektive mit ihr.

Weihnachten krachte es mal wieder zwischen uns und ich rief Freunde in Holland an, dass ich jetzt Hilfe bräuchte. Die bekam ich und ich lernte eine weitere Lektion im Buch des Lebens: wie man frei lebt und Spaß haben kann ohne Ende. Frauen: kein Problem, sie sind immer da, du hast sie bloß noch nicht wahrgenommen. So wie Du Dich selber fühlst, so wird Deine Welt sein. Sei Du selber! Ich fuhr dann immer mal am Wochenende rüber und trainierte die neuen Lebensregeln. Recht bald fing es dann auch mit Psytrance-Parties an.

Am Anfang hatte ich da meine Probleme auf dem Dancefloor. Da wackelte der Boden, auch wenn es die grüne Wiese war! Konnte mich kaum auf den Beinen halten. Mittlerweile kann ich ihn so lesen wie ein Fährmann das Wasser vor seinem Schiff. Bei den größeren Events im Amsterdam kam langsam die Begeisterung. Da ist irgendwo eine alte, umfunktionierte Kirche und zu den Partywochenenden kommen gut 2000 Leute dorthin. Dass ich da so eintauchen würde, hätte ich vor einem Jahr noch nicht einmal für möglich gehalten. Aber es war wirklich alles da, was mir fehlte, ich hatte es bis dahin bloß noch nicht wahrgenommen.

Jetzt kommt dann auch übernächste Woche die Steigerung: das erste Festival! Wir fliegen für 1 Woche nach Norwegen an den Polarkreis. Da ist eine Party auf einer einsamen Insel und die Sonne geht zu der Zeit nicht unter. Zelten, Musik Musik, Tanzen Tanzen Tanzen und alles geht die ganze Zeit 24 Stunden einfach durch! Solche Parties sind sehr vielschichtig begreifbar. Für einige sind es Parties und Spaß und für andere Weiber ohne Ende und je länger man dabei ist, begreift man, dass es eine Reise in das eigene Selbst ist, die jeder antreten wird, der reif dazu geworden ist, ein Mensch zu werden, der nach seinen eigenen Regeln lebt.

Verbal hoch gegriffen, aber es stimmt. Am Ende ist man glücklich, all die tollen Leute dort getroffen zu haben, die mehr als 1000 Kilometer nur für diese Party am Ende der Welt, in Kauf genommen haben.

Tja, da freue ich mich richtig drauf. Und so gesehen ist das endgültige Ende meiner ehemaligen Liebe meines Lebens unerläßlich. Mit ihr wären nur Kreuzfahrten und Streit um Kleinigkeiten möglich gewesen. Schön, dass sie mich jetzt frei gelassen hat. Es ist eigentlich nur eine Frage der Mentalität, die man im Leben haben muß, um alles einfach nur geschehen zu lassen. Dann kann einen nichts aufhalten.

Ein anderer Zyklus ist auch das Ende der Arbeit. Habe gesagt, dass ich zum Ende des Jahres den Job aufgebe. Einfach so. Vielleicht weil sie am Tag zuvor einfach meine Lieblingsmitarbeiterin gekündigt hatten. Das war die mit der schweren Allergie, die ich auch dann noch mochte, wenn sie wegen ihrer Neurodermitis rot wie ein Krebs im Gesicht war. Sie war sehr traurig und das tat mir Leid. Aber es war gewiss nur Auslöser, im Grunde war mir die Arbeit recht langweilig geworden und diese Stadt mochte ich nie, in der ich jetzt noch bin.

Ich erkenne, immer wieder: Zyklusende und neuer Anfang. Das ist das Leben.