KeiNe PaNik

Einen Moment Paradies

Posted on: Juli 10, 2013

In der Achtsamkeitsmeditaion beurteilt man die Dinge für sich, wenn sie nicht mehr für einen da sind, vergangen. Vor allem empfand ich es als eine Ehre bei einem Ereignis dabei gewesen zu sein, an dessen Ende mir wildfremde Leute mit Tränen in den Augen um den Hals gefallen sind. Die Leute waren so bunt gemischt wie die Schlange vor den Kassen in einem Lidl (Discounterkette in Deutschland). Irgendetwas musste sie innerhalb der vergangenen Woche so stark verbunden haben. Dabei habe ich mit keinen einzigen auch nur ein Wort gesprochen. Nicht aus Arroganz, sondern weil es so sein mußte, dass niemand, außer der Lehrer in seinen Anweisungen, auch nur ein Wort sprach. Sie nannten es das „Edle Schweigen“. Sonst gab es Meditation pur: 45 Minuten Meditieren im Sitzen, dann im Wechsel 45 Minuten im Gehen. Und das den ganzen Tag, frühmorgens bis zum Abend.

Wieder im „normalen Leben“ angekommen, konnte ich die Trauer des Abschiedes mehr und mehr verstehen und verinnerlichen. Eigentlich leben wir in einem Paradies, das einfach im Hier und Jetzt ist und ewig sein wird. Bloß das „normale Leben“ verwickelt einen derart in Nebensächlichkeiten, dass wir es einfach nicht mehr sehen können und irgendwann: gemäß der Kraft und Aufgabe der Trägheit, die notwendig wäre, wollen viele auch gar nichts mehr davon wissen. Willkommen im 21. Jahrhundert!

Die ersten Tage jenseits der Stille waren schrecklich. Die Leute sind wirklich unfreundlich und die Gewißheit, dass der Gärtner, der sich scheinbar einfältig um den Garten kümmert und schweigt, viel glücklicher sein kann als der gestresste Hausherr, der dem Geld hinterher rennt … diese Gewißheit läßt mich wirklich fragen, ob mein Leben, so wie es bisher war und nun wieder ist, überhaupt sinnvoll ist?

Es war wie ein Traum vom Paradies, so wie es Adam und Eva vielleicht offen stand? Man konnte es erahnen, wie sehr die Menschen irren, sich es üppig und überladen vorzustellen. In der Demut und Einfachheit liegt es und jeder in dieser Stadt würde daran vorbei gehen, geblendet vom Wahn der eigenen Person.

Aber nicht nur in der eigenen Klarheit, Dinge bewerten zu können, bringt Abgeschiedenheit etwas, sondern auch, komischerweise für alte Herzensangelegenheiten. Mir wurde klar, dass es sich bei der Zeit, in der ich mich um die Erziehung eines Kindes kümmerte, um die glücklichste Zeit meines abgelaufenen Lebens handelte. Alles andere war aus dieser meditativen Perspektive – vollkommen bedeutungslos. Ich nahm mir vor, aus der Tiefe, mich wieder zu melden. Zumal sie morgen Geburtstag hat und schon 5 wird. Ich nahm an, dass wie im letzten Jahr ein Geschenk von mir als Postsendung stillschweigend akzeptiert werden würde und ich würde mich diesmal bestimmt nicht grämen, auch wenn ich wieder den Eindruck hätte, es würde niemals angekommen sein. Aber diesmal wurde ich vermisst, wirklich vermißt und ich darf ihr mein Geschenk am Freitag (morgen muß ich arbeiten) persönlich vorbeibringen und wir gehen Eis essen.

Genauso habe ich es mir nach und in der Woche Meditation gewünscht und komischerweise zieht der richtige Wunsch die Realität einfach nach. Obwohl es nicht um mich geht, sondern darum, dass sie mich stark vermisst und nicht versteht, warum ich nicht mehr da bin? Eigentlich mache ich mir auch Sorgen, weil ich nicht vergessen worden bin. Da muß irgendetwas im Argen sein, wenn Kinder selbst ein Jahr nach einer Trennung ihren leiblichen Vater kritisch sehen, während sie mit Kindertelefonen „Wolfgang anrufen“ spielen? „Wäre sie 12 und nicht 4, würde sie zu Dir einfach abhauen“, so die Mutter am Telefon. Also auch eine Mission wie bei „Bernhard & Bianca“. Es hat mir immer das Herz zerrissen zu sehen, wie intensiv sie den Film verfolgte und immer sehen wollte. Aber jetzt haben wir die Möglichkeit Frieden mit der Vergangenheit zu finden.

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