KeiNe PaNik

Archive for April 2013

Letzte Woche habe ich drei Anläufe genommen, versuchen zu schreiben, wie sehr ich mich auf den Betriebsausflug nach Rom in diesem Jahr freuen würde. Jeder Anlauf hatte seine Stärken aber auch Passagen, die ich so nicht passend fand, weil vielleicht die Wünsche und Sehnsüchte zu unrealistisch gewesen wären? Aber heute weiß ich, dass es genau so war, wie ich es mir vorgestellt hatte: wunderschön!

Hart war es gestern wieder durch die deutsche Großstadt zu gehen. Überall Leute, die Tristesse ausdrücken. Nur ein Kind fiel mir hier auf und das empfand ich in der S-Bahn sogar auch noch als Zumutung, während all die Bambini in Italia alles andere als störend waren. Sie strahlten Lebensfreude aus und wurden auch sicher von den Eltern mit „Sentar“ und „Silencio“ (1) sauber erzogen. Rom selber war voller Menschen, aber nie hatte ich das Gefühl, dass irgendwelche Menschen im Weg stehen würden. Die 20 Minuten vom Bahnhof nach Hause standen mir gut 4 Jack-Wolfskin-Typen auf breitem Bürgersteig im Weg. Ich weiß gar nicht, wie man so unbewußt sein kann! Selbst einem Bettler mußte ich leider sagen, dass die Obdachlosen in Italia mehr Stil als hier hätten. Verdutzte Blicke, er hatte wohl gerade einem vom Mond getroffen…

Habe mir auch eine coole Lederjacke gekauft, in der ich wie ein Ragazzo aussehe. In Italia habe ich wieder angefangen richtigen Kaffee, heißt dort Espresso, zu trinken und Zigaretten danach zu rauchen. Der Espresso kostete meist nur nen Euro, aber wie toll der schmeckte!!! Nicht zu vergleichen mit hier, preislich und geschmacklich! Wenn man die Lebenskultur mit der in Deutschland vergleicht, dann ist Deutschland hinterste Provinz. Das ist den Leuten dort auch sehr bewußt, wenn man sich mit ihnen unterhält.

Aber auch als Gruppenerlebnis war das sehr schön. Ich kannte sonst nur Betriebsausflüge als Wanderausflug, als Fahrradtour, als Paddeltour und all so etwas eher günstiges mit beengenden Gesprächen mit den Chefs und dem kalkuliertem Unwohlsein der Angestellten. Letztlich war es immer eine billige Art einen Tag wegzuschmeißen, weil die meisten Chefs so schäbig waren, diese Ausflüge auch noch auf das Wochenende zu verlagern. Diesbezüglich bin ich richtig positiv von meinem neuem Job überrascht, – auch wenn es glatt ein ganzes Wochenende war!

Mein Betriebsflirt war selbstverständlich auch mein Urlaubsflirt. Sie kam mit und am letzten Abend, sie geht sonst immer überpünktlich ins Bett, gesellte sie sich ein wenig später zu uns in eine Bar in der Nähe des Hotels. Ich freute mich natürlich über sie, dass sie nachgekommen war und dann kam das Seltsame: das erste, was sie sagte war, dass sie in psychologischer Behandlung wäre, – und ich das wissen sollte. PUNKT! Ich freute mich trotzdem über sie. Ich ging aber nicht weiter drauf ein, weil ich denke, dass wir noch nicht so weit sind, solche privaten Dinge miteinander zu besprechen. Weiter haben wir uns den Abend, oder eher schon die Nacht über Kindererziehung gestritten. Sie hatte da ganz andere Ansichten als ich. Währenddessen teste ich die Grenzen der körperlichen Nähe mit ihr aus, so dass ich am nächsten Morgen schon Bedenken hatte, die Grenzen des guten Geschmacks ein wenig überschritten zu haben. Aber war alles cool und locker zwischen uns. Im Nachhinein frage ich mich natürlich, was sie da für ein Problem hat? Warum sind immer meine Frauenbekanntschaften psychisch instabil oder sollte es so sein, dass Frauen im Allgemeinen psychisch mehr Hilfe benötigen? Ich hoffe mal nicht, dass sie mich drauf vorbereiten wollte, dass sie so Dinge wie Ritzen macht. Damit würde ich nur schwer zurecht kommen.

Mein Telefon geht übrigens immer noch nicht. Habe jetzt einen Stick, mit dem ich mobil ins Internet gehen kann. Reicht, um hier wieder zu posten … mehr nicht! 😀

(1) Sentar und Silencio ist, glaube ich, eher Spanisch oder Brasilianisch, wird aber auch in Italien verstanden. Ich kann nur einen Mix aus romanischen Sprachen, beziehungsweise ein paar einfache Sätze daraus bilden.

Immerhin habe ich jetzt einen Internet-Anschluß. Einen Stick, mit dem ich eine Woche im Internet surfen kann. Die 1 GB-Datenübertragung in UMTS-Tempo war schnell durch die sich aufgestauten Video-Podcasts aufgebraucht und mittlerweile kann man meine Datenübertragungsrate locker mit der aus den 90’er Jahren des letzten Jahrhunderts vergleichen. Obwohl mir da kein wohliges, nostalgisches Gefühl überkommt, sondern eher ein flaues Magengefühl: hat sich denn in 2 Dekaden nichts zum Besseren geändert? Eigentlich lohnt sich Internet, wirtschaftlich, nur, wenn man mal seine Lieblingsfilme einfach so aus einem Torrent saugen kann. Nur so kann man die Internetkosten amortisieren, einfach dadurch, dass man anderweitig Einkaufskosten spart.

Bei mir kommt hinzu, dass ich keine überdeutschten, synchronisierten Filme mag, dann eher TKKG oder ??? höre, und mir die richtigen Filme lieber bei Pirate-Bay anstatt Media-Markt hole. Da ich häufiger noch nach Holland fahre, kaufe ich dort auch mal DVDs, die dort oft weniger als die Hälfte als in Deutschland kosten, – ungeschnitten und in der internationalen Version. Neben Coffee-Shops gibt es dort Unmengen an Spielen und Filmen, alle ungeschnitten und zu 90% in Deutschland überhaupt kaum bekannt. Zu Deutschland und seinen größtenteils dummen Bewohnern fällt mir da nur ein Begriff aus der ehemaligen „DDR“ ein: „Tal der Ahnungslosen“, in dem es nur SED-Fernsehen gab und keiner „Westfernsehen“ sah.

Deshalb bin ich auf eine schnelle, unbegrenzte Flat für das Internet angewiesen. Die kann ich mir aber noch nicht mal für Geld kaufen, da meine Telefongesellschaft meinen Vormieter und mich für dieselbe Leitung bezahlen lassen will und mir – aus „Datenschutzgründen“ – noch nicht einmal sagen will, wann der Vertrag des Vormieters ausläuft und ich die Chance hätte, selber auch mal auf der Leitung freigeschaltet zu werden. Das ist ja eigentlich mein Hauptproblem und der eigentliche Grund meines Kulturpessimismus‘. Denn ich las gerade vor ein paar Tagen, dass auch bei Festnetzanschlüssen bald die unbegrenzte Flat abgeschafft werden soll, so wie es bei mobilen Flats schon der Fall ist. Das Ergebnis wäre ein spooky DDR-Feeling. Aber auch hier würde Wolfgang74 zweifelsfrei mal wieder dem Zeitgeist begegnen. Denn im Dunklen sitzen und zu frieren, sich an der Kasse über ein paar Cents aufzuregen, während man eine Steuer- und Abgabenquote >50% als etwas völlig normales ansieht, – das alles ist für den Bewohner Deutschland normal und Zeichen der Tugend, denn „die Tage des ungezügelten Wachstums“ sind wohl – für ihn – vorbei. Vorstellungen wie meine, dass die Welt wohl langsam reif wäre für eine richtige UMTS-Flat, wurden eigentlich in allen Telefon-Shops nur belächelt.

Eine ganze Woche ärgere ich mich täglich über diesen Punkt in meinem Leben. Wollte Internet dann schon ganz sein lassen. Aber gut, jetzt habe ich die Prepaid-Flat und kann jetzt immerhin … das neue Album von CocoRosie „Tales of a Grass Widow“, etwa 150 MB als MP3, bis morgenfrüh mir runterladen. Also gut 8 Stunden dauert das. Da wird ja selbst die Freude über das Album, welches im Torrent schon gut 2 Monate vorher als in den Verkaufsregalen zu finden war, merklich getrübt.

Aber anderes Thema: am Mittwoch kommen die Billardtisch-Aufbauer aus Schwaben! Während des Umzuges ließ ich den Tisch nur auseinander bauen und in die neue Wohnung schaffen. Bei den Schieferplatten mußte selbst ich mithelfen und war immer noch schwer. Weil jetzt der Billardtisch in der ganzen Wohnung verstreut in Einzelteilen steht, kommt eigentlich auch überhaupt kein „Home, cool Home“-Feeling auf. Das sollte ab Mittwoch anders werden. Natürlich bekommt das Babe auch ein neues Tuch verpaßt und zwar diesmal in …. „Royal-Blue“! Weil es ein originaler Wettkampftisch ist, muß der extra aufgebaut und taxiert werden. Deshalb müssen dann die Jungs aus Süddeutschland ran.

Aber auch so: in der Wohnung muß noch ein bisschen was gemacht werden. Jalousien brauche ich, denn ich fürchte, wenn im Sommer die Sonne reinknallt, dann wird es heiß werden. Ebenso ein paar Möbel brauche ich noch. Wollte mir natürlich auch eine Casting-Couch in schwarzem Leder reinstellen. Dann kann die Party losgehen!