KeiNe PaNik

Archive for Oktober 2012

Vor kurzem war ich an meiner alten Arbeitsstätte. Ich schaute mal vorbei, da gewisse Dinge noch unerledigt waren. Ich machte es aber so, dass ich alleine mit meiner ehemaligen Lieblingsmitarbeiterin war. Die Arbeit war schnell erledigt. Aber ich erzählte ihr meine ganzen Ideen und Geschichten. – So wie früher. Aber dann schlug das Schicksal zu und alles wurde anders.

Ich erzählte ihr, wie ich mit einem Freund mir Gedanken über Autos machen würde. Der Freund holt sich einen teuren Neuwagen, während ich mir überlegte – mal wieder – einen Gebrauchtwagen zu holen, der günstiger ist und obendrein in der Wirkung effektiver sein würde. Wirkung bedeutet hier jetzt Frauenfaktor. Da meinte sie dann, ich sollte mich bei ihrem (Ex-)Freund melden. Den kannte ich, wir verstanden uns immer prächtig. Er hatte seine alte Arbeit gekündigt und verkauft jetzt nun Gebrauchtwagen. Aber nicht einfache Gebrauchtwagen, sondern richtige Schätzchen. Also bei ihm wäre ich zB für eine Alpha Romeo Spider genau richtig.

Ich besuchte ihn natürlich in seinem Laden. Außer Verkauf ist auch eine Werkstatt dabei. Wenn ich mein altes Auto mal mit Nitrous aufmotzen lassen will, wäre ich bei seinem Bruder an der richtigen Adresse. Eine Spider hatten die aber (noch) nicht. Im Vorraum stand eine tiefblaue Triumph TR6 von 1976. Originallackierung, wie ich dann erfuhr. Er meinte, sie würde zu mir passen. Da hat er durchaus Recht mit gehabt. Gut eine Woche wälzte ich mich hin und her, ob ich sie mir kaufen sollte oder nicht?

Aber das Ding war, so ein Auto zu fahren ist nicht teuer! Das Überraschte mich ja so. Es gibt in der BRD eine so genannte H-Zulassung für Autos, die älter als 30 Jahre sind. H steht wohl für “Historisch”. Versicherung und Steuern sind wirklich nicht der Rede wert. Ich zahle für meine Mitsubishi mehr als das Doppelte. – Und das ist kein Auto, wo man sich nach umschaut. Dann ist die Triumph jetzt nicht so teuer, dass ich etwa Kredit dafür aufnehmen müßte. Hätte ich noch eine regelmäßige Arbeit gehabt, dann wäre das alles kein Ding und ein klarer Kauf gewesen. Auch, weil bei Triumph der Ersatzteilmarkt noch richtig gut und günstig ist und auch, weil der Marktpreis bei solchen Autos steigt im Laufe der Zeit. Man könnte es auch als Wertanlage sehen.

Ein Verbrauch von etwa 8 Liter ist jetzt auch nicht dramatisch. Summa summarum kaufe ich mir da ein schönes Spielzeug für ein “Taschengeld”. Gut 16.000 Euro sind auch Geld. Aber wo bekommt man dafür ein Cabrio und dann auch eines mit diesem Nostalgie-Effekt? Weil das ein “historisches Fahrzeug” ist, braucht man sich auch nicht anzuschnallen. Anschnallen geht auch gar nicht! Das gibt so ein Gefühl der Freiheit, wenn man ohne Verdeck und Gurt durch das wenig Sonne des Oktobers fährt. Auch dieser Umweltplaketten-Wahn entfällt für diese Autos. So viel Flexibilität hätte ich den Deutschen gar nicht zugetraut. Aber zweifelslos werten solche Autos diese Umweltzonen derart auf, dass man auch mit einer 1970’er Mustang da rein darf. Finde ich vernünftig. Lernen die Kinder doch dann auch mal aus erster Hand, wie sich ein richtiges Auto anhören kann. 😀

Gut, ist keine Mustang. Aber auch das Starten bei der Triumph hört sich imposant an. Mir kommt es da immer wie beim Anlassen eines alten Turboprop-Flugzeuges über den Rücken. Einen Haken haben aber diese “Schätzchen” alle: man weiß nie, wann sie rauchend am Straßenrand stehen. Aber da muß ich mich eben auf das Urteil der Leute dort verlassen. Deshalb ist es gut, die auch persönlich zu kennen. Sonst würde ich das nicht gemacht haben. 3 Jahre sollte das Auto ohne große Reparaturen problemlos laufen. – Dann stellt sich sowieso die Frage, ob man nicht das Auto auch wieder verkauft? Nachteile sind durchaus: Zweisitzer, hinten kein Platz für einen Kindersitz/ 3. oder 4. Beifahrer. Ebenso Cabrio, was im Winter natürlich hart wird. Aber man hat bei diesem Spiel die Möglichkeit der Wertsteigerung. Was bei einem Neuwagen … aussichtslos ist.

Hier noch ein kleiner YouTube-Clip. Das ist jetzt nicht meine Triumph und ich selber bin nicht auf dem Video zu sehen. Aber von der Bauart und der Farbe sieht diese Triumph genau so aus, wie meine. – Ich bin verliebt!

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Blätter fallen von den Bäumen. Das Wetter: Nebel und beginnende Kälte beginnen ihren Einzug zu halten. Aber neulich habe ich beim Lidl eine Mundharmonika für ganze 3 Euro gesehen. Ich stand vor ihr, mußte sie einfach nur kaufen. In mir sprach es “eine Mundharmonika, die wolltest Du schon immer haben! Sie kann Dir auf Deinen Reisen Begleitung sein. Immer wenn es ruhig und still ist, Du das aber nicht willst, dann spielt sie ein Lied. – Für Dich, die Stille und allem, was dann sonst um Dich sein wird ….”

Voller Erwartungen wanderte die Harmonika in den Warenkorb. Das Schöne an der Mundharmonika ist aber, dass sie auf C gestimmt ist. Somit kann man wunderbar Kinderlieder auf ihr spielen! In meiner Eingebung im Billig-Discounter ging es aber nicht um Lieder für Kinder. Nicht vornehmlich, aber dann irgendwie auch wieder schon. Viele Lieder des amerikanischen Bürgerkrieges sind in dieser Tonart. Vielleicht habe ich deshalb immer diese Lieder so gemocht? “Dixie”, “Yankee-Doodle”, “Sweet Home Alabama” (1), “Oh Susana”, “The Bonnie Blue Flag”, „The Girl I left behind“ und ganz besonders natürlich die „Yellow Rose of Texas“. Nicht alle, aber viele waren Kriegslieder. Ich habe mich immer gefragt, wie Menschen dazu kamen solche lebenslustigen Lieder als Hymne zu nehmen und mit ihnen in den Krieg zu ziehen?

Diese Frage beschäftigte mich schon seit Kindheit. Da ich Deutscher bin, stellt sich einem so eine Frage mal. Ich lernte in der Schule, dass Deutsche beim 4/4-Takt auf 1 und 3 klatschen, Amerikaner auf 2 und 4 klatschen würden. Die Betonung auf 1 und 3 gibt diesen Marsch-Effekt, während 2 und 4 einen lockeren, swingenden Sound ergibt. Dieser Unterschied zwischen Amerikanern und Deutschen ist vielleicht nicht der augenscheinlichste, – aber für mich der wichtigste! Einfach weil die ganzen anderen Unterschiede mit dieser Diskrepanz erklärt werden können. Den Unterschied zwischen Freiheit und Gleichheit, den kann man ganz gut nachvollziehen, wenn man weiß, wie die Menschen bei ihren Lieder in die Hände klatschen. Dem einen ist dann die Freiheit wichtiger, während der andere in Gleichheit sich kollektiv auflöst und alles Unpassende nur schlecht verkraften kann.

Ich ziehe aber nicht in den Krieg mit meiner Mundharmonika, sondern muß beruflich viel reisen. Ich kenne die stillen Nächten in irgendwelchen Pensionen in irgendwelchen Landstrichen, in die man nie freiwillig gehen würde. Früher zu mindestens reiste ich viel, jetzt muß ich wieder. Ich erinnerte mich an einen anderen Begleiter, der mich auf meinen früheren Reisen immer begleitete: Es war meine kleine Handbibel mit dem Neuen Testament. In einem schönen grünen Einband, gerade so groß, dass sie in eine Hemdtasche passt. Als Student habe ich die mal geschenkt bekommen. “Die Gibeons”, so hießen die Jungs, die an der Mensa standen und wortlos den Studenten Bibeln in die Hand drückten. Ich fand dieses kleine Accessoire schon gleich interessant, während die anderen sich drüber lustig machten. Schon zu meiner Jugendzeit war es modern, sich kritisch mit Dingen auseinander zu setzen, von denen man nicht wirklich etwas verstand.

Als ich nach dem Studium arbeitete, ja diese leeren Zimmer in der Fremde und keinem Ort, außer dem Zimmer, zu dem man hätte gehen können am Abend. Die kleine Gibeon-Bibel habe ich in dieser Zeit ganze 3 Mal von Vorne bis Hinten durchgelesen. Das Buch ist jetzt nicht so dumm, wie viele es annehmen. Das Problem ist aber für die vielen, dass was ganz anderes in dem Buch steht, als sie es annehmen. Für mich war es eine Orientierung und ich sah es als Charakterschulung an, sich mit Dingen intensiv zu beschäftigen, die viele andere nur verlachen würden. Das Geheimnis ist, dass das Lesen, das intensive Lesen etwas in einem frei setzt, was nur für einen ist und einem vom Leben geschenkt wird.

Ich möchte jetzt nicht christeln. Ich bin kein Christ! Zu mindestens finde ich Klaus Kinski in seinem Jesus Christus Erlöser interessanter als Berufschristen, wie man sie in den Medien zu sehen bekommt. Kirchensteuer zu sparen wird da zu einem Akt der “Zivilcourage”, wie man es heutzutage nennt. Komischer weise ist es aber so, dass wenn man von der Bibel und Liedern aus der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs / amerikanische Unabhängigkeit anfängt, man sehr schnell in irgendwelche Schubladen gesteckt wird. Von Leuten, die aber überhaupt nicht in der Lage sind, einen zu verstehen. Übrigens die selben Leute, die damals auch schon Kinski verlachten. Ich verstehe die Leute, die damals vor 300 Jahren aus Europa ausgewandert sind, weil das gesellschaftliche Klima ihnen “zu eng” wurde. Ich empfinde Respekt für sie, mit einem Planwagen, ihrer Familie und der Bibel einen ganzen Kontinent zu durchqueeren. Was muß das für ein Gefühl sein, nach der langen Reise einmal den Pazifik zu sehen und sein Wasser zu spüren?

Ach ich schweife ab, versuche aber meine innere Lage zu schildern, mit einer Bibel, der Mundharmonika und einer ungewissen Zukunft durch mein Leben zu schreiten. Vielleicht lege ich mich schlafen und lese morgen noch mal gegen? – Den Pazifik werde ich aber wohl niemals sehen, denn den gibt es in Deutschland nicht.

(1) moderner(er) Song, aber ich mag ihn so, wie die anderen!